CanvasDer etwas andere Businessplan (nicht nur für Gründer)

Businessplan Canvas

Pläne im Allgemeinen und Businesspläne im Besonderen haben unter Praktikern einen schlechten Ruf: „Wer plant, irrt genauer“ und: „Das ist doch bloß Papierproduktion für die Schublade“, heißt es. Und, ja: Die Praxis gibt Skeptikern oft Recht. Mal ehrlich: Wann haben Sie das letzte Mal einen Blick auf den Businessplan geworfen, den Sie vor Jahr und Tag Ihrer Bank oder der Arbeitsagentur vorgelegt haben?

Dabei bietet der Vergleich zwischen der betrieblichen Realität und den ursprünglichen Überlegungen zum eigenen Geschäftsmodell, zu Zielgruppen, Marketing-Maßnahmen, Einnahmen und Kosten wichtige Ansatzpunkte für Nachjustierungen oder gar eine Neuausrichtung des eigenen Vorhabens.


Wenn Planungsunterlagen als notwendiges Übel betrachtet und prompt in der Ablage verschwinden, liegt das aber
nicht nur an der Vergesslichkeit von Selbstständigen und Unternehmern: Die klassischen Businessplan-Inhalte bieten den meisten Selbstständigen und Unternehmern viel zu wenig konkreten, hemdsärmeligen Praxisnutzen. So sinnvoll und wichtig seitenlange Excel-Tabellen für betriebswirtschaftliche Experten sein mögen:

 

  • Kapitalbedarfs- und Finanzierungsüberlegungen,
  • Absatz-, Umsatz- und Gewinnprognosen sowie
  • betriebswirtschaftlichen Kennzahlen

... haben mit dem Alltag der meisten Unternehmer herzlich wenig zu tun.

 

Die Businessmodell-Leinwand: Es muss nicht immer Excel sein

Dass ein Businessplan auch ganz anders aussehen kann, zeigt das „Business Model Canvas“. Canvas ist das englische Wort für Leinwand: Der Schweizer Autor und Vortragsredner Alex Osterwalder empfiehlt, Computer und Excel bei den Businessplanungen erst einmal links liegen zu lassen. Er schlägt vor, eine große Wandzeitung oder ein Whiteboard in neun Felder einzuteilen und dort die zentralen inhaltlichen Aspekte des eigenen Geschäftsmodells zu erfassen. Um im Planungsprozess flexibel zu bleiben, sollten die Überlegungen dort zunächst auf Post-its festgehalten werden.

 

Osterwalders Businessmodell-Leinwand sieht so aus:

Canvas Überblick

 

Quelle: Alex Osterwalder (strategyzer.com)

 

Folgende Schlüsselfaktoren sollen dort berücksichtigt werden:

1.    Schlüsselpartner („Key Partners“): Habe oder brauche ich einen oder mehrere strategische Partner bei der Umsetzung meines Vorhabens?

2.    Schlüsselaktivitäten („Key Activities“): Welche Tätigkeiten sind erforderlich, um meine Produkte und Dienstleistungen zu erbringen?

3.    Schlüsselressourcen („Key Resources“): Welche personellen, räumlichen, technischen und finanziellen Ressourcen brauche ich?

4.    Nutzenversprechen („Value Propositions“): Welche Wünsche und Bedürfnisse meiner Kunden erfüllen meine Angebote?

5.    Kundenbeziehungen („Customer Relationships“): Wie nehme ich Kontakt zu meinen Kunden auf? Wie finde ich Interessenten? Wie binde ich Stammkunden an mein Unternehmen? Wie sehen meine Kundenbeziehungen aus?

6.    Vertriebs- und Kommunikations-Kanäle: („Channels“): Auf welchen Vertriebswegen erreiche ich meine Kunden?

7.    Kundensegment („Customer Segment“): Wie sieht meine Zielgruppe aus? Richte ich mich an den Massenmarkt oder einen Nischenmarkt?

8.    Kostenstruktur des Business-Modells („Cost Structure“): Welche Betriebsausgaben für Personal, Material, Infrastruktur und Marketing kommen auf mich zu?

9.    Einnahmequellen („Revenue Streams“): Welche Monetarisierungs-Möglichkeiten habe ich? Kann ich meine Angebote mehrfach verwerten? Wie lassen sich Zusatzeinkünfte generieren?

 

Eine solche Businessmodell-„Leinwand“ eignet sich nicht nur für Gründer, sondern ist auch für bestehende Unternehmen ein probates Mittel, die Schlüsselfaktoren des eigenen Geschäftsmodells zu durchleuchten. Die kompakte Visualisierung hat gegenüber konventionellen Plänen in Form von Texten, Tabellen und Grafiken den Vorteil, dass alle wichtigen Geschäftsbereiche auf einen Blick zu erkennen sind, Bezüge und Abhängigkeiten deutlicher werden.

 

Praxistipps:

Das BMWi stellt in der Businessplan-Rubrik seiner Website existenzgründer.de eine Erläuterung der „Business Model Canvas“-Methode, eine kommentierte deutschsprachige Canvas-Vorlage (PDF, 50 KB) sowie passende Zusatztools zur Verfügung:

BMWI Canvas Vorlage
  • Die IHK Köln hat die Canvas-Methode in einem Youtube-Video vorgestellt.
  • Ebenfalls auf Youtube bietet Canvas-Erfinder Alex Osterwalder eine Illustration der Canvas-Methode am Beispiel des Nespresso-Geschäftsmodells.
  • Osterwalders Buch „Business Model Generation“ ist zwar schon einige Jahre alt – sein „Handbuch für Visionäre, Spielveränderer und Herausforderer“ bietet aber nach wie vor eine Menge brauchbarer Anregungen, mit denen sich erfolgversprechende  Geschäftsmodelle entwickeln, realisieren und erneuern lassen.