BetriebsprüfungenNur alle 100 Jahre Besuch vom Finanzamt?

Prüfung Illustration


Solo-Selbstständige und Kleingewerbetreibende werden vergleichsweise selten vom Finanzamt geprüft. Anlass für Sorglosigkeit und steuerliche Nachlässigkeit ist das nicht: Theoretisch kann der Steuerprüfer jederzeit auf der Matte stehe – und, wenn’s dumm läuft, im nächsten Jahr gleich wieder. Trotzdem sind die Ergebnisse der jüngsten
Betriebsprüfungsstatistik des Bundesfinanzministeriums aufschlussreich:

Prüfhäufigkeit Tabelle


Insgesamt wurden im letzten Berichtszeitraum rund 190.000 Unternehmen geprüft. Bei einer Gesamtzahl von 7,8 Mio. Unternehmen entspricht das einer Prüfquote von 2,39 %. Mit anderen Worten: Nur in einem von vierzig Unternehmen fand eine Betriebsprüfung statt. In den einzelnen Betriebs-Größenklassen unterscheidet sich die Prüfhäufigkeit dabei gewaltig:

 

Größenklasse 1: Kleinstbetriebe
In den insgesamt gut 5,6 Mio. „Kleinstbetrieben“ fanden nur 59.000 Betriebsprüfungen statt. Mit anderen Worten: Etwas mehr als 1 % aller Betriebe wurden vom Fiskus unter die Lupe genommen! Bei dieser Prüfquote dauert es rechnerisch 95 Jahre bevor alle Unternehmen geprüft sind.

Bitte beachten Sie: Als Kleinstbetriebe gelten derzeit Unternehmen mit einem Jahresumsatz von bis zu 210.000 Euro und einem Gewinn von bis zu 44.000 Euro. Das geht aus der aktuellen BMF-„Einordnung in Größenklassen“ hervor (Stand: 2019).

 

Größenklasse 2: Kleinbetriebe
In den rund 1,2 Mio Kleinbetrieben fanden zuletzt 39.000 Betriebsprüfungen statt. Das entspricht einer Prüfquote in dieser Betriebs-Größenklasse von rund 3,3 %. Kleinbetriebe bekommen somit im Schnitt etwa alle 30 Jahre Besuch vom Finanzamt.

Anders als bei den Kleinstbetrieben ist die Betriebsgrößen-Definition von Kleinbetrieben branchenabhängig:

  • Im Handel gelten Unternehmen mit einem Jahresumsatz von bis zu 1,1 Mio. Euro und einem Jahresgewinn von bis zu 68.000 Euro noch als Kleinbetrieb.
  • Im produzierenden Gewerbe („Fertigungsbetriebe“) und in der Land- und Forstwirtschaft gelten Unternehmen mit einem Jahresumsatz von bis zu 610.000 Euro und einem Jahresgewinn von bis zu 68.000 Euro als Kleinbetrieb.
  • Freiberufler betrachtet der Fiskus bis zu einem Jahresumsatz von 990.000 Euro und einem Jahresgewinn von 165.000 Euro noch als Kleinbetriebe

Größenklassen 3 und 4: Mittel- und Großbetriebe
Mittelständische Betriebe und Großunternehmen stehen deutlich stärker unter Beobachtung:

  • In den rund 800.000 Mittelbetrieben fanden zuletzt rund 50.000 Prüfungen pro Jahr statt. Das entspricht einer Prüfquote von 6,3 %: Im Schnitt steht damit etwa alle 15 Jahre eine Betriebsprüfung ins Haus.
  • In den knapp 190.000 Großbetrieben fanden gut 40.000 Prüfungen statt. Das entspricht einer Prüfquote von 21,8 %. Mit anderen Worten: Durchschnittlich droht alle vier bis fünf Jahre eine Steuerprüfung.

Hier eine Auswahl der aktuellen Betriebs-Größenklassen im Überblick:

Betriebsgrößen 2019


Lektüretipp:
Was auf Sie zukommt, wenn Sie doch einmal eine „Prüfanordnung“ des Finanzamts in Händen halten, können Sie in unserem Zweiteiler zum Thema Betriebsprüfung nachlesen:

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