Versicherungen für Selbstständige und KleingewerbetreibendeEin Überblick

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Gründer und Nachwuchs-Unternehmer werden mit Versicherungsangeboten aller Art und Preislagen zugeschüttet. Verallgemeinerbare Empfehlungen gibt es nicht: Welche Versicherungen sinnvoll oder gar unverzichtbar sind, hängt von der Branche und dem persönlichen Sicherheitsbedürfnis ab. 

Um den eigenen Versicherungsbedarf zu ermitteln, ist zunächst einmal ein Überblick über die wichtigsten Versicherungsarten unverzichtbar. Beginnen wir mit einer Form der Absicherung, die Freiberufler und Unternehmer leider allzu oft vernachlässigen – der eigenen:

1. Die persönliche Absicherung

Bevor Sie sich mit betrieblichen Versicherungen beschäftigen, denken Sie besser erst einmal an sich selbst: an Ihre private Absicherung. Zum Unternehmersein gehört, sich auch um den eigenen Schutz aktiv zu kümmern. Mit der privaten oder gesetzlichen Krankenversicherung ist es nicht getan:

  • Im Krankheitsfall muss auch der Verdienstausfall aufgefangen werden (Krankengeld, Krankentagegeld)
  • Es sollte eine Vorsorge für den Fall der Berufsunfähigkeit geben
  • Die Altersvorsorge muss ebenfalls geregelt sein

Leider lassen viele Gründer und Selbstständige den privaten Aspekt außer Acht. Solche Versicherungslücken schließen Sie am besten zuallererst.

 

2. Haftpflicht

Wenn Sie durch Ihr Verhalten (oder Unterlassen) einem anderen Menschen Schaden zufügen, müssen Sie Schadenersatz leisten. Gegen solche Haftungsansprüche beugen Sie durch eine Haftpflichtversicherung vor. Während durch eine private Haftpflichtversicherung die meisten Risiken des Privatlebens abgedeckt sind, gibt es im Geschäftsleben viele verschiedene Arten von Haftpflichtversicherungen:

Eine Betriebshaftpflichtversicherung übernimmt Personen- oder Sachschäden, die aus dem Betrieb des Unternehmens resultieren. Beispiele:

  • Ein Kunde stürzt in Ihrem Büro und bricht sich ein Bein
  • Sie beschädigten beim Einsatz vor Ort eine teure Maschine Ihres Kunden

Die Berufshaftpflichtversicherung sichert Vermögensschäden ab, die Dritten aus Ihrer beruflichen Tätigkeit entstehen, etwa durch ...

  • Falschberatung,
  • unpassende Anweisungen an Ihre Mitarbeiter oder
  • weil ein von Ihnen gestaltetes Design zu Copyright-Ärger führt

 

Berufs- und Betriebshaftpflicht versichern also unterschiedliche Schäden. Vereinfacht gesagt: Der Architekt benötigt auf jeden Fall eine Berufshaftpflichtversicherung, die Baufirma sollte unbedingt eine Betriebshaftpflichtversicherung abschließen.

 

  • Die Produkthaftpflichtversicherung übernimmt Personenschäden, Sachschäden und Vermögensschäden, die infolge mangelhafter Produkte entstehen, aber auch durch fehlerhafte Gebrauchsanweisungen etc. Es gibt sie auch für Händler, soweit diese für die Produktsicherheit haften. Gedeckt sind nur Schadenersatzansprüche des Kunden, nicht jedoch Gewährleistungsansprüche.

  • Eine Umweltschadenhaftpflichtversicherung ist eine spezielle Form der Betriebshaftpflichtversicherung. Sie ist dann sinnvoll, wenn regelmäßig umweltgefährdende Stoffe gelagert oder benutzt werden. Umweltschäden können zu enormen Schadenersatzforderungen führen.

  • Die D&O-Versicherung (= „Directors- & Officers-Versicherung“ oder auch „Organ- und Manager-Haftpflichtversicherung“) wird von Unternehmen abgeschlossen. Versichert ist jedoch die persönliche Haftung von leitenden Angestellten. Fehler in der Geschäftsführung können einem GmbH-Geschäftsführer schnell Schadenersatzforderungen einbringen, eine Insolvenz der Gesellschaft in den privaten Ruin führen. Deshalb ist diese Absicherung auf jeden Fall überlegenswert.

 

Sonderfall: Rechtsschutzversicherung

Eine Firmenrechtsschutzversicherung übernimmt Anwalts- und Prozesskosten. Sinnvoll sein kann beispielsweise Arbeitsrechtsschutz oder Verkehrsrechtsschutz. Auch wer seinen Umsatz mit wenigen, großen Projekten erwirtschaftet, sollte über Rechtsschutz nachdenken. Im Konfliktfall drohen unter Umständen hohe Streitwerte.


Sonderfall: Cyber-Versicherungen

Cyber-Schutz ist aktuell der Wachstumsmarkt für die Versicherer. Diese Versicherungen decken Schäden durch Hacker-Angriffe, IT-Pannen und Trojaner ab, und zwar sozusagen im Querschnitt: sowohl Eigenschäden und Schadenersatzforderungen von Kunden und Geschäftspartnern als auch Rechtsschutz.

Das ist wichtig, weil Schadenersatzforderungen von Dritten oft den größten Schaden ausmachen – etwa nach einem großen Datendiebstahl. Viele Cyber-Versicherungen umfassen zudem Soforthilfeangebote, wie zum Beispiel durch IT-Notfallteams. Solche Policen sind grundsätzlich sinnvoll: Der Versicherungsschutz muss jedoch zur eigenen Geschäftstätigkeit passen.

 

3. Eigenschäden

  • Inhaltsversicherung: Wie eine Art „betriebliche Hausratversicherung“ kommt sie für Schäden auf, die durch Sturm und Hagel, Feuer, Einbruch oder Leitungswasser entstehen. Wenn der Verlust an Inventar und Vorräten Ihr Unternehmen finanziell aus der Bahn werfen würde, ist diese Police sinnvoll. Einbrecher sind für kleine Unternehmen eine reale Bedrohung.

  • Ertragsausfall-/Betriebsunterbrechungsversicherung: Ersatz des Gestohlenen nach einem Einbruch ist das eine. Noch teurer kann der Ertragsausfall werden, wenn der Betrieb erst einmal nicht weiterläuft. Als „kleine Betriebsunterbrechung“ ist häufig eine Pauschalsumme in der Inhaltsversicherung mitversichert. Wenn eine Ausfallzeit wirklich zum Problem werden kann, sollte man über eine „große Betriebsunterbrechungsversicherung“ nachdenken: Sie leistet auch bei weiteren Ursachen – etwa bei vorsätzlicher Beschädigung durch Dritte. Vor allem aber lässt sich die Deckungssumme individuell passend festlegen.

  • Elektronikversicherung, Maschinenversicherung: Hängt Ihr Betrieb von einigen wenigen Anlagen oder Geräten ab, in denen viel Kapital steckt? Dann sollten Sie über eine gezielte Sachversicherung nachdenken. Andernfalls müssen Sie nach einer Havarie, einem Diebstahl, einer Beschädigung durch Dritte oder einem fatalen Bedienfehler die Neubeschaffung aus eigenen Mitteln finanzieren. Wichtig: Der Wiederbeschaffungswert sollte versichert sein, nicht der Zeitwert. Außerdem muss die Versicherung wirklich passen – handelt es sich um eine Maschine oder eine elektronische Anlage? Für den Ertragsausfall benötigen Sie einen eigenen Versicherungs-Baustein – siehe oben.

  • Feuerversicherung, Gebäudeversicherung: Wenn man eigene Immobilien gewerblich nutzt, sollte man gegen Schäden durch Feuer, Leitungswasser sowie Unwetter versichert sein. Dabei gibt es spezielle Deckungen für Immobilien, die sowohl privat wie gewerblich genutzt werden.

 

Nachdem Sie sich einen Überblick über sinnvolle gewerbliche Versicherungen verschafft haben, folgt die Feinabstimmung im eigenen Betrieb. Entscheidend ist nicht nur, welche Versicherungen passen: Es kommt auch auf die konkret versicherten Risiken, sonstige Konditionen und das Kleingedruckte an.

Ausblick:
Worauf Sie beim Abschluss betrieblicher Versicherungen achten sollten, erfahren Sie in Teil 2 unseres Versicherungs-Schwerpunkts in einem der nächsten orgaMAX-Newsletter. Bleiben Sie dran!